Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Risiken
Viele Menschen lesen als erstes die Nebenwirkungen in einer Packungsbeilage, wenn Sie ein Augenmedikament verordnet bekommen. Auch die Medien fokussieren zumeist auf Nebenwirkungen und Risiken, wenn Sie reisserische Schlagzeilen benötigen.
Zu Nebenwirkungen und Risiken muss folgendes gesagt werden: Ein Arzneimittel, das eine gewünschte Wirkung am oder im Auge hat, kann grundsätzlich auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Dies hat zwei Gründe:
1. der Wirkstoff verteilt sich nicht nur am Ort der erwünschten Wirkung, sondern läuft nach Applikation in den Bindehautsack z.B. durch den Tränen-Nasen-Kanal auch in die Nase und wird von der Nasenschleimhaut ins Blut aufgenommen. Das führt dann zu Wirkungen in der Nase oder im ganzen Körper
2. die Hilfsstoffe im Augenarzneimittel (Konservierungsmittel, Stabilisatoren, u.a.) erzeugen eine unerwünschte Wirkung oder eine Unverträglichkeit (auch der Wirkstoff kann manchmal nicht vertragen werden!)
Bei manchen Patienten können diese unerwünschten Wirkungen oder Unverträglichkeiten auch zum Risiko werden. Dann muss dies entsprechend deklariert werden. Risikopatienten sind oft mehrfach oder chronisch erkrankte Menschen und fast immer schwangere Frauen oder stillende Mütter. Auch Kinder können aufgrund ihres geringeren Körpergewichtes und der Wachstumsphase Risikopatienten sein.
Arzneimittel mit einem gewissen Risiko für den Anwender sind verschreibungspflichtig durch einen Arzt. Er muss den Nutzen und das Risiko abwägen und entscheiden. Dabei sollte der Patient entsprechend aufgeklärt, aber zumindest informiert werden.
Allgemein gilt jedoch, dass die im Beipackzettel aufgelisteten Nebenwirkungen in Einzelfällen auftreten können, keineswegs müssen! Die erwünschten Wirkungen stehen im Vordergrund der Anwendung.
Klar ist auch, dass bestimmte Wirkstoffe oder Hilfsstoffe mit anderen Wirkstoffen oder Hilfsstoffen wechselwirken (sprich interagieren) können. Dann verstärken sich die Wirkungen der Medikamente eventuell oder sie heben sich teilweise auf. Beides gefährdet den Behandlungserfolg und kann ein Risiko bedeuten. Daher muss beachtet werden, welche Arzneimittel ein Patient neben den Augenarzneimitteln noch anwendet. Dies wird manchmal vergessen, weil man nicht an körperliche Wirkungen von Augenmedikamenten denkt.
Ein Risiko ganz anderer Art, das meist nicht im Beipackzettel steht, besteht in der falschen oder unsachgemäßen Anwendung. So sollte man Augenarzneimittel nicht über das Verfalldatum und das Verwendbarkeitsdatum nach Öffnung hinaus anwenden, da dann die Sicherheit und die Wirksamkeit nicht mehr gewährleistet sind. Dass geöffnete Salbentuben oder Tropfflaschen sauber und mit Verschlusskappe aufbewahrt werden müssen, versteht sich wohl von selber.
Auch sollte man Augenarzneimittel nicht im Familienkreis teilen, denn die Berührung der Tropfflasche mit dem Auge kann Keime verschleppen und zur Ausbreitung von Augeninfektionen führen. Dies gilt v.a. bei sehr ansteckenden und heftigen Augeninfektionen wie der Keratokonjunktivitis epidemica.
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